Lufthansa First Class – Luxus
über den Wolken
Ein Gespräch mit dem renommierten Luftfahrtexperten Andreas Spaeth

Die Lufthansa feiert 2026 ihr 100-jähriges Bestehen und blickt auf ein Jahrhundert Luftfahrtgeschichte, Innovation und weltweite Verbindung von Menschen zurück. Grund genug für Mavi, um mit Andreas Spaeth die Lufthansa First Class von München nach New York zu testen. In den 50er Jahren dauerte der Flug von München nach New York 20 Stunden, heute dauert er dagegen nur 8-9 Stunden. In der First Class konnte man damals während des langen Fluges an einer Bar mondän Champagner trinken, Kaviar essen und sogar das Rauchen war damals noch erlaubt.

mavi: Was hat sich seitdem bei der Lufthansa getan, was den Luxus über den Wolken angeht?
Andreas Spaeth: Der Markt um das Luxussegment bei Linienflügen ist hart umkämpft. Die alte Lufthansa First Class Kabine findet man auf allen Strecken, die von einer Boeing 747-8, einem Airbus A380-800 oder einem Airbus A340-600 geflogen werden. Die neue Allegris First Class ist bisher ausschließlich im Airbus A350-900 zu finden. Zu Ihrer Frage: Zuerst einmal ist der Preis auffällig. Rund 13.000 Euro kostet das Ticket, während man in der Economy-Class 1.200 Euro zahlt. Da möchte ich als Passagier schon etwas geboten bekommen, was Service und Ausstattung angeht. Herausragend finde ich die Privatsphäre, die man in der Allegris First Class findet.
mavi: Wie sieht das Design dieser privaten Suiten bei Lufthansa aus?
Andreas Spaeth: Elegant und dezent, würde ich sagen. Die Suiten haben 1,80 Meter hohe Schiebewände, so dass man sich als Gast völlig in seiner Kabine zurückziehen kann. Es gibt zwei Einzelsuiten am Fenster und eine Doppelsuite in der Mitte. Die Farbtöne sind dezent: Grauer Teppich, schwarzes Sitzleder, weiße Oberflächen und die Wände sind mit schalldämpfendem Alcantara bespannt. Der breite Sitz lässt sich ganz einfach in ein über zwei Meter langes Bett verwandeln. In jeder Suite befindet sich auch eine Ottomane, bei der sich die Rückenlehne neigen lässt und auf der man wunderbar entspannen kann. Es gibt einen Garderobenschrank und ein Handgepäckfach am Boden, in dem man alles verstauen kann.

mavi: Gibt es denn auch etwas, was die Lufthansa noch verbessern könnte?
Andreas Spaeth: Als Passagier hat man auf einem Langstreckenflug natürlich sehr viel Zeit auch die Schwächen aufzuspüren. Eine kleine Enttäuschung ist das magere Angebot an Bordunterhaltung. Ja, es gibt kabellose Sennheiser Bluetooth-Kopfhörer – nur was man damit hören und sehen kann, ist überall an Bord sehr begrenzt. Lufthansa spart massiv am Content. Das sehe ich auch als Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Airlines, die Live-TV senden. Stellen Sie sich vor, Ihr Flug geht während eines wichtigen Football-Matches oder sie möchten politische Entwicklungen nicht verpassen. Das ist für Menschen, die live informiert sein möchten, ein Punkt, den die Lufthansa noch verbessern könnte.
mavi: Wie sieht denn das kulinarische Angebot in der Allegris First Class aus?
Andrea Spaeth: In München wird man schon über die First Class Lounge im Satellitenterminal in Empfang genommen und kann hier ausgiebig frühstücken – vom Buffet oder à la carte. An Bord heißt es dann „Dine on Demand“- man kann also jederzeit bestellen alles bestellen. Zu Beginn der Reise gibt es zwei 100-Gramm-Dosen chinesischen Kaluga-Zuchtkaviar (zum Einkaufspreis von 230 Euro). Danach drei kleine Vorspeisen, darunter „Geröstete Karotte mit Cajun-Gewürz, Nektarine und Cashew“. Das „Duett von Zanderfilet und Kaisergranat mit Kartoffel-Lauchpüree und Mini-Fenchel“ – eines der besten Fischgerichte, das ich je über den Wolken hatte. Die geschmorten Kalbsbäckchen an Trüffelravioli sind auf einem soliden Brasserie-Niveau. Die Weine, die dazu gereicht werden, variieren in der Güte stark, vom südafrikanischen Muratie Chardonnay (12 Euro im Einzelverkauf) bis hin zum 2016er Bordeaux La Tour Figeac (100 Euro).
mavi: Wie viele Meilen müsste man als Vielflieger einlösen, um einmal in den Genuss der Allegris First Class zu kommen?
Andreas Spaeth: Das ist neuerdings theoretisch möglich und hängt jeweils von vielen Faktoren ab, es gibt keine feste Regel. Allerdings dürfte es bei weltweit gerade einem Dutzend Flugzeugen mit jeweils nur drei Suiten faktisch sehr selten gelingen, ein Upgrade auf Meilen oder mit Zuzahlung auf ein Business-Ticket tatsächlich zu ergattern.
mavi: Wie muss man sich den typischen First-Class-Kunden bei Lufthansa vorstellen?
Andreas Spaeth: Definitiv ist der Kunde – oder die Kundin - jemand, der Qualität und Privatsphäre sucht. Ob das Unternehmer, Tech-Nerds oder Showgrößen sind. Die Lufthansa First Class ist quasi eine Alternative zum Privatjet und dafür ist der Ticketpreis dann schon fast wieder günstig.
mavi: Wir danken für das Gespräch.
Der beschriebene Testflug fand im Januar 2025 auf Einladung von Lufthansa statt.
Der Journalist Andreas Spaeth ist Luftfahrtexperte und schreibt seit den Neunzigerjahren regelmäßig für große Zeitungen und Online-Portale, vorrangig zu Themen der Zivilluftfahrt. Er ist weltweit vernetzt bei Fluggesellschaften, Flughäfen und Flugzeugherstellern. Seit über 25 Jahren ist sein Expertenwissen gefragt zu Themen der zivilen Passagierluftfahrt in deutschen, englischen und amerikanischen Medien.
mavi zeigt die Ingenieure der Lufthansa First Class bei der Arbeit:











